Wappen der Familie BrentanoBrentanohaus in Winkel

  

... Mitte des 18. Jahrhunderts von der Binger Familie Ackermann errichtet, ist über zwei Jahrhunderte lang im Familienbesitz der Brentanos. Als in Frankfurt ansässige Kaufleute erwarben sie im Jahre 1804 das inmitten einer weitläufigen, mauerumgebenen Gartenanlage gelegene, langgestreckte Gebäude mit dem mächtigen Mansardendach.
Das Winkeler Landgut war Mittelpunkt der großen Familie während der Sommerzeit und Treffpunkt für ihren Freundeskreis aus Kunst und Wissenschaft im Zeitalter der Romantik. Original erhaltene Zimmer und Salons im Brentanohaus überliefern Eindrücke von der Wohnkultur und dem Lebensgefühl dieser Zeit.

Johann Wolfgang von Goethe

... ist der herausragendste unter den vielen prominenten Gästen der Brentanos gewesen. Sein Nachruhm überflügelt die illustren Namen einer Gästeliste, die mit Achim von Arnim, dem märkischen Dichter, beginnen mag und fortfährt mit den Brüdern Grimm, mit dem Juristen Friedrich Carl von Savigny, mit der unglücklichen Dichterin Karoline von Günderode, die sich am Rhein das Leben nahm, Freiherrn vom und zum Stein und anderen mehr.
Goethe hat nach den Wirren von Besatzungs- und Befreiungskriegen als Folge der Französischen Revolution im Umkreis seiner Geburtsheimat Zuflucht gesucht und ist, ein Kurgast in Wiesbaden, den Einladungen der Brentanos mehrfach gefolgt. Sein volkstümlich-heiteres Prosawerk "Sankt-Rochus-Fest zu Bingen" und das Tagebuch "Im Rheingau Herbsttage" verdankt er dem erholsamen Aufenthalt des Jahres 1814 bei "der geliebten wie verehrten Familie Brentano, die mir an den Ufern des Rheins, auf ihrem Landgute zu Winkel, viele glückliche Stunden bereitete".

Die Brentanos ....

... dürfen ihren Ursprung auf ein italienisches Adelsgeschlecht zurückführen, das im Weinbaugebiet um den Comer See beheimatet war. "Brenta" ist dort die Bezeichnung für eine Weinbutte, deren Abbild ins Familienwappen der "nobiles de Brenta, dicti di Brentanis" eingefügt worden ist; ähnliche Exemplare finden noch heute Verwendung, um bei der Ernte hier wie in Italien die Trauben rücklings aus den Weinbergen zu tragen.
Die Linie der Brentano di Tremezzo ließ sich Ende des 17. Jahrhunderts in Frankfurt nieder. Don Domenico gründete in der Messestadt eine rasch aufblühende Filiale des Mailänder Handelshauses. Der noch in Tremezzo geborene Enkel Pietro Antonio erwarb schließlich das Frankfurter Bürgerrecht und damit die deutschen Vornamen Peter und Anton.
Das einstige Sommerhaus in Winkel bewohnen die Brentanos als direkte männliche Nachkommen des ersten Eigentümers Franz Brentano und bewirtschaften selbst das zugehörige Weingut. Franz war der zweitälteste Sohn Peter Antons, dem in drei Ehen zwanzig Kinder geboren wurden, und gewann nach des Vaters Tod die Stelle einer väterlichen Vertrauensperson für die zahlreichen Geschwister. Auch geschäftlich blieb der Senator und Schöffe der Stadt Frankfurt Haupt der Familie, seinem ausgeprägten Kunstsinn verdankten die genialischen Geschwister Bettina und Clemens verständnisvolle Förderung.

Darin unterstützte ihn die ebenso den Künsten zugeneigte Gattin Antonia, eine in Wien aufgewachsene geborene Edle von Birkenstock, deren Vorfahren sich in den Rheingau des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen. Weitaus häufiger als ihr Bruder Clemens, der bedeutende Poet einer Rheinromantik jenseits touristischer Verkitschung, hat Bettina Brentano, die künftige Gattin Achim von Arnims, das Winkeler Landgut aufgesucht und da "die Nächte am Rhein verschwärmt". Ihre frühe poetische und später durchbrechende politische Leidenschaft, ihr soziales Engagement wirkten gemeinsam am Bild einer großen Frauengestalt des 19. Jahrhunderts. Die Frankfurter und Rheingauer Jahre sahen sie in der Mitte ihres kunstbeflissenen Freundes- und Verwandtenkreises heranreifen.

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